Thrombosen

Unterschätzte Erkrankung

Sie wirkt auf den Laien vielleicht unspektakulärer als manch andere Krankheit. Und doch löst die Thrombose viele Todesfälle aus: Jedes Jahr sterben alleine in Europa mehr als eine halbe Million Menschen an ihren Folgen. Und über 700.000 befinden sich europaweit in Behandlung.

Foto: Thrombosen

Wenn das Blut Klumpen bildet

Dass Blut gerinnen kann, ist für unseren Körper normalerweise ein großer Vorteil. Nach Verletzungen beispielsweise sorgt die Gerinnung dafür, dass sich Wunden schließen können und wir nicht verbluten. Doch unter bestimmten Voraussetzungen setzt dieser an sich schützende Gerinnungsprozess auch dann ein, wenn er gar nicht gefragt ist. Ärzte sprechen bei einer solchen – unerwünschten – Blutgerinnung von Thrombose. Die sich bildenden Blutgerinnsel (Thromben) drohen nicht nur am Ort ihrer Entstehung Arterien und Venen zu verstopfen. Im schlimmsten Fall lösen sie sich von der Gefäßwand ab, wandern durch die Blutbahn und sorgen in anderen Organen für gefährliche Embolien – einen vollständigen oder teilweisen Verschluss eines Blutgefäßes.

Viele Risiko-Faktoren

Am bekanntesten ist vermutlich die Reisethrombose, die zum Beispiel nach langem Sitzen auf Langstreckenflügen auftreten kann. Eine grundsätzliche Thrombose-Gefahr besteht aber auch bei bettlägerigen Patienten, etwa nach Operationen. So können zum Beispiel bei der Implantation einer Kniegelenks- oder Hüftgelenks-Prothese die großen Beinvenen verletzt werden. Damit steigt das Risiko für eine sogenannte venöse Thromboembolie. Dabei werden Blutgerinnsel, die sich in den Venen gebildet haben, in den Kreislauf geschwemmt und setzen sich zum Beispiel in der Lunge fest. Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 6,5 Millionen Menschen an den Folgen solcher Embolien.

Ein erhöhtes Thrombose-Risiko besteht auch bei anderen Erkrankungen. So etwa beim Herzvorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, bei der das Herz nicht ausreichend arbeitet. Dabei kann eine Restmenge Blut im Herz zurückbleiben und gerinnen. Gelangt der Thrombus von dort ins Gehirn, droht ein Schlaganfall. Auch im arteriellen Gefäßsystem kann es zur Bildung von Blutgerinnseln kommen. Die Gefahr einer Verstopfung besteht vor allem dann, wenn Gefäße durch Verkalkung (Arteriosklerose) verengt sind. Sind die Herzkranzgefäße betroffen, können Herzinfarkt oder die so genannte instabile Angina pectoris die Folge sein.

Vorbeugung ist möglich

Die gute Nachricht ist: Der Entstehung von Thrombosen lässt sich vorbeugen. Ist sich ein Betroffener seines Risikos bewusst, kann er Vorkehrungen treffen. Thrombosestrümpfe verbessern die Durchblutung bei Menschen, die lange liegen oder während eines Langstreckenflugs viele Stunden sitzen. Darüber hinaus mindern Medikamente das Risiko der unerwünschten Blutgerinnung.

Bisher übliche Gerinnungshemmer haben allerdings gewisse Nachteile. Einige, aus der Gruppe der Heparine, können nicht als Tablette genommen werden und müssen regelmäßig gespritzt werden. Für manche Patienten ist dies, gerade bei der Selbstanwendung, nicht immer einfach. Andere können zwar oral (in Tablettenform) eingenommen werden, sind aber aufgrund vielfacher Wechselwirkungen nicht einfach zu dosieren. Sie erfordern eine genaue Überwachung der Patienten und ihrer Blutwerte. Die grundsätzliche Herausforderung bei der Thrombose-Prophylaxe ist dabei, den Gerinnungsprozess nicht so stark zu hemmen, dass er bei Verletzungen und Wunden nicht mehr zustande kommt.

Ein neuer Ansatz erleichtert die Prävention

Bayer Schering Pharma entwickelt derzeit einen neuartigen Wirkstoff. Dieser wird als Tablette einmal am Tag verabreicht und lässt sich somit einfach dosieren. Die in Studien sehr gut verträgliche Substanz greift an zentraler Stelle in das Gerinnungsgeschehen ein, indem sie den Blutgerinnungsfaktor Xa hemmt. Dieser Gerinnungsfaktur ist ein wichtiger Akteur im komplexen Geschehen der Blutgerinnung. Auf diese Art wird nicht nur Thrombosen vorgebeugt – es werden auch bereits existierende Gerinnsel behandelt.

Das neue Medikament wird in umfangreichen klinischen Studien getestet. Insgesamt werden nahezu 50.000 Patienten am Studienprogramm teilnehmen. Dabei bereitet das Unternehmen den Einsatz des Wirkstoffs vor zur Vorbeugung von Thrombosen nach großen orthopädischen Eingriffen, zur Behandlung bereits existierender Blutgerinnsel, zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Herzvorhofflimmern und zur Prävention bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten.

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Audio: Innovativer Thromboseschutz

Audio: Neue Studienergebnisse zur Behandlung von Thrombosen

Ins Bild gesetzt

Um bereits bestehende Thrombosen oder gar Embolien zu diagnostizieren, müssen Ärzte Blutgefäße sichtbar machen können. Klassisch ist eine Röntgenuntersuchung, wobei unmittelbar vor der Aufnahme ein Kontrastmittel injiziert werden muss. Bayer Schering Pharma bietet ein solches Röntgen-Kontrastmittel an.

Das Unternehmen hat darüber hinaus ein innovatives Kontrastmittel entwickelt, das es erlaubt, Venenthromben auch mittels Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar zu machen. Diese Substanz wurde eigens so konzipiert, dass sie sich an ein Bluteiweiß koppelt und somit länger als üblich in den Adern kreisen kann. Aus dem Grund kann es direkt in die Armvene gegeben werden und sich von dort über das Gefäßsystem verteilen. Die für z.B. Röntgenuntersuchung am Fuß nötige, unangenehmere Fußvenenpunktion kann somit bei der MRT entfallen.

Die MRT-Untersuchung ist zunächst ein Hilfsmittel für die Diagnose und Lokalisierung eines Gerinnsels. In der Folge bietet sie aber auch die Möglichkeit, den Effekt einer Thrombose-Therapie zu verfolgen und zu kontrollieren.

Hinweis für Patienten
Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Sie das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Arzt.

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