IMI – Innovative Medicines Initiative
Pharmaforscher und Ärzte wollen sicher sein, dass ein Medikament den Patienten optimal hilft. Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass Pharmaindustrie und Arzt die notwendigen Informationen haben und nutzen, damit sie die effektivste und sicherste Therapie bekommen. Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels dauert 10 bis 12 Jahre und kostet rund 800 Millionen Euro. Für eine forschende Pharmafirma ist es essentiell, so frühzeitig wie möglich zu wissen, ob ein neuer Wirkstoff bei manchen Patienten schwerwiegende Nebenwirkungen wie Organschäden hervorrufen kann.
Im Interesse aller ist es also, möglichst frühzeitig Vorhersagen über eventuelle Nebenwirkungen machen zu können. Biomarker in Blut, Urin oder Gewebeproben sind dafür exzellente Indikatoren.
Biomarker als frühzeitiger Indikator für mögliche Nebenwirkungen
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Die Innovative Medicines Initiative (IMI) wurde 2008 gemeinsam von der Europäischen Kommission und dem europäischen Pharmaverband (EFPIA) ins Leben gerufen, um durch Zusammenarbeit von Pharmaindustrie, akademischer Forschung, Kliniken, Zulassungsbehörden und Patientenorganisationen die Erforschung und Entwicklung neuer und besserer Medikamente in Europa zu beschleunigen. |
Ein Biomarker kann zum Beispiel ein durch das Arzneimittel signifikant veränderter bekannter Blutwert sein – wie etwa Glukose oder die Lipide. Oder ein bislang wenig beachtetes oder noch nicht identifiziertes Protein, das als Folge der Schädigung auftritt. Derzeit gibt es nur sehr wenige Biomarker, die als frühe Indikatoren klinisch erprobt sind.
Um einen solchen Biomarker zu identifizieren, muss sichergestellt sein, dass er tatsächlich durch die Gabe des Wirkstoffs ausgelöst wurde und nicht beispielsweise krankheitsbedingt auftritt. „Dazu sind umfangreiche Studien zum Beispiel an Nierenkranken und anderen Patienten, die gesunde Nieren haben, notwendig“, sagt Dr. Matthias Gottwald von Bayer Schering Pharma, der zurzeit als Mitglied der IMI Governance Taskforce der EFPIA den Aufbau der IMI-Organisation in Brüssel unterstützt. Denn treten bei letzteren die Marker ebenfalls auf, handelt es sich um „Störsignale“ – beispielsweise verursacht durch bestimmte Grunderkrankungen – die das Erkennen des so genannten Sicherheits-Biomarkers zunichte machen. Lebensumstände wie Ernährung, Alkohol- oder Tabakkonsum aber auch das Alter der Patienten sowie die Tatsache ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, dürfen die Aussagekraft des Markers ebenfalls nicht beeinträchtigen.
Bessere Therapiemöglichkeiten dank Biomarker
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Ziel von IMI ist es Innovationshemmnisse abzubauen, um zu einer schnelleren und effizienteren Entwicklung neuer Therapien zu gelangen. Dies soll erreicht werden durch:
IMI wurde mit einem Forschungsetat von zwei Milliarden Euro für sechs Jahre ausgestattet, der je zur Hälfte von der EU-Kommission und der Pharmaindustrie aufgebracht wird. |
Die Identifizierung der Biomarker ist verbunden mit der jeweiligen Entwicklung robuster und Durchsatz-starker Testsysteme (Assays), damit die Marker-Identifizierung schnell, zuverlässig und kostengünstig umgesetzt werden kann und bald Eingang in Kliniken und Arztpraxen findet. „Unser Ziel ist es, dass die validierten Marker in die Behandlungsrichtlinien aufgenommen werden“, sagt Matthias Gottwald.
Anhand der Biomarker kann der Arzt dann feststellen, welches Medikament für seinen Patienten das bestgeeignete ist, um höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.
Europaweite Suche nach neuen Biomarkern: das Projekt SAFE-T
Ziel des IMI-Projektes SAFE-T (Qualification of translational safety biomarkers) ist es neue, sensitive Biomarker zu identifizieren, die eine verlässliche Vorhersage der Sicherheit eines Arzneimittels erlauben. Und dies schon möglichst früh, also während der neue Wirkstoff noch am Anfang der Überprüfung steht. Im Fokus stehen dabei Biomarker, die eindeutige Hinweise auf Nieren-, Leber- oder Gefäßschäden geben.
Ziel ist es auch, diese Biomarker dann von der europäischen Zulassungsbehörde EMEA als Kriterium in die Behandlungsrichtlinien aufnehmen zu lassen. Vertreter von EMEA sind deshalb von Anfang an in das Projekt integriert.
Bayer Schering Pharma bei SAFE-T
Bayer Schering Pharma beteiligt sich an zwei SAFE-T-Teilprojekten. Unsere Forscher konzentrieren sich zum Einen auf Nierenschäden, die durch Wirkstoffe ausgelöst werden. Während sich diese im Tiermodell unter kontrollierten Laborbedingungen herbeiführen lassen, sind entsprechende Beobachtungen beim Menschen außerordentlich schwierig.
Schwere Organschäden durch Arzneimittel sind selten, treten oft nur bei Medikamentenmissbrauch auf (typischer Fall: Missbrauch von Schmerzmitteln) und es sind nur wenige solcher Fälle pro Jahr weltweit umfassend dokumentiert. „Deshalb ist es ein großer Vorteil, dass wir europaweit koordiniert sind, denn so können wir diese Fälle erstmals zusammenführen“, betont Gottwald.
Unsere Forscher arbeiten auch bei dem damit verbundenen Bio-Banking-Projekt mit. Die Patientenproben sind von essentieller Bedeutung für die Identifizierung und Validierung neuer Biomarker. Hier geht es auch um konkrete logistische Fragen: Wie werden klinische Proben archiviert und umfassend dokumentiert? Wie werden die Partner in ganz Europa zeitnah darüber informiert welche Probe, zu welchem Zweck, bei welchem Partner zu Verfügung steht? Da die Partner sich über alle vorhandenen Messwerte sowie die verwendeten Methoden austauschen, werden „Doppelerfindungen“ vermieden.
Weitreichende Partnerschaft für mehr Sicherheit
SAFE-T ist mit einem Budget von 33 Mio. Euro das bisher größte IMI-Projekt. Daran beteiligen sich von der Industrieseite Astra-Zeneca, Boehringer Ingelheim, Eli-Lilly, Amgen, Glaxo-Smith-Kline, Pfizer, Hoffmann-La Roche, Sanofi-Aventis, Novartis sowie Bayer Schering Pharma.
Zu den akademischen Partnern gehören neben der Charité Berlin, und dem Naturwissenschaftlichen und Medizinischem Institut an der Universität Tübingen (NMI) auch das Klinik-Konsortium AHPA (Paris), das Barcelona Cardiovascular Research Center und das Medical Center Tel Aviv sowie die BioTec-Firmen Argutus und Viralis.
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